Yoga bei Migräne

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Migräne ist mehr als Kopfschmerzen.

Wer keine Migräne hat verbindet mit diesem Wort einfach nur Kopfschmerzen. Und wer sie hat, schämt sich oft zu sagen, dass es wiedermal soweit ist, da er/sie sich nicht ernstgenommen fühlt. Es sind ja bloß Kopfschmerzen.

Aber Migräne ist so viel mehr als „bloß Kopfschmerzen“.Migräne ist eine ernstzunehmende und vor allem chronische neurologische Erkrankung. Die Betroffenen leiden nicht nur an Kopfschmerzen, der ganze Körper ist betroffen. Man fühlt sich müde, teilweise völlig erschlagen. Oft besteht auch eine Übelkeit, sogar bis zum Erbrechen. Manche Betroffene haben auch Durchfall in der Attacke, manche Frieren, Zittern oder haben Schüttelfrost.

Es gibt oft Begleitsymptome wie Licht- oder Lärmempfindlichkeit, auch manche Gerüche können als störend oder sogar unerträglich empfunden werden. In der Attacke haben Betroffene oft Nackenschmerzen, aber auch Gliederschmerzen wie bei einer Grippe kommen vor.

Bei Menschen, die eine sogenannte Aura haben, kann es zudem auch noch zu neurologischen Ausfällen wie Seh- oder Wahrnehmungsstörungen, Sprachstörungen und Lähmungen kommen.

Und Schmerz bei Migräne kann man zudem auch nicht mit „normalen“ Kopfschmerzen, die man mal hat, wenn man zu wenig getrunken oder geschlafen hat, vergleichen. Der Kopfschmerz bei Migräne fühlt sich oft an, als explodiere der Kopf. Es hämmert, pocht und pulsiert. Das Gefühl ist schier unerträglich.

Kommt all das zusammen, ist es kein Wunder, dass Menschen mit einer Migräneattacke am liebsten nur ins Bett wollen, alles dunkel machen und ihre Ruhe wollen. Und auch wenn all diese Umstände erfüllt sind, helfen meist nur Medikamente wirklich dabei eine Migräneattacke zu überstehen.

Wie kann Yoga helfen?

In der Migränetherapie unterscheidet man zwischen der Akuttherapie und der sogenannten Prophylaxe, also einer vorbeugenden Therapie, die man regelmäßig anwendet, um die Häufigkeit der Migräneattacken zu reduzieren. Akut werden Schmerzmittel oder spezielle Medikamente, die nur bei Migränekopfschmerzen wirken, eingesetzt. Zur Prophylaxe gibt es ebenfalls verschiedene Medikamente, die nachweislich die sogenannte Attackenfrequenz reduzieren können. Aber um Medikamente soll es hier und heute nicht gehen.

Yoga würde man den nicht-medikamentösen prophylaktischen Maßnahmen zuordnen. Von Neurologen werden als nicht-medikamentöse Maßnahmen vor allem Entspannungsverfahren (insbesondere die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen), regelmäßiger moderater Ausdauersport und eine Änderung des Lebensstils mit Einhaltung gewisser Tagesroutinen empfohlen. Das liegt daran, weil diese Kombination in Studien erprobt und wirksam ist. Auch Stressreduktion ist ein großes Thema, da Stress ein wichtiger Auslöser von Migräne ist.

Yoga wirkt hier auf allen drei Ebenen. Praktiziert man regelmäßig, lernt man sich mit Yoga zu entspannen. Aber der Körper wird auch gefordert und nicht zuletzt ändert sich oft die Einstellung zum Körper und zum Leben durch eine regelmäßige Yogapraxis. Man wird mit der Zeit achtsamer für sich und seine Umwelt, lernt seine Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und besser auf sich zu achten. Vor allem das haben viele Migränepatienten verlernt oder aber nie wirklich gelernt.

Welches Yoga wirkt bei Migräne?

Was man generell sagen kann ist, dass ruhige Yogastile besser sind als schweißtreibende. Man geht heute davon aus, dass es zu Migräneattacken durch ein Energiedefizit im Gehirn kommt. Das Migränegehirn ist, anders als „normale“ Gehirne, ständig unter Strom. Es gewöhnt sich nicht so schnell an neue oder stressige Situationen wie Gehirne von Menschen ohne Migräne und verbraucht so deutlich mehr Energie. Ganz pragmatisch kann man es so sehen: Sind die Energiespeicher leer, kommt es zur Attacke. Fordernde Yogastile wie Vinyasa-Yoga oder Hot-Yoga verbrauchen viel Energie und können das Gehirn so eher in ein Defizit treiben. Stile bei denen achtsam geübt wird wie klassisches Hatha-Yoga oder Yin Yoga sind meist besser geeignet.

Anfangs fühlen sich Menschen mit Migräne in solchen Stilen zwar schnell unterfordert, wenn sie aber regelmäßig dabei bleiben, werden sie merken, wie gut es ihnen tut. Nicht nur der körperliche Aspekt dieser Stile hat hier eine Wirkung. Nicht umsonst sagt man:

"Yoga ist Meditation in Bewegung". 

Das Gehirn kann sich dadurch, dass es mal nur mit der Bewegung beschäftigt ist, sehr gut entspannen. Zudem lernst du durch langsame Stile die Bedürfnisse des Körpers wieder bewusster wahrzunehmen.

Migräne und Faszien

Beim Yin-Yoga kommt noch der positive Effekt auf die Faszien zu tragen. Von so vielen Migränepatienten habe ich gehört, dass sie ganz sicher sind, ihre Migräne käme von der Halswirbelsäule. Das liegt daran, dass sie in der Attacke, aber meist auch an kopfschmerzfreien Tagen, Schmerzen im Bereich von Schulter und Nacken haben.

Woran liegt das?

Menschen mit Migräne neigen dazu, ihre Schulter- und Nackenmuskulatur in der Attacke mehr anzuspannen. Es ist bildlich fast so als ducken sie sich vor der Attacke. Das passiert einfach reflektorisch aufgrund des Schmerzes. Je häufiger man nun Migräne hat, desto häufiger verspannt man die Muskulatur im Nacken. Hierdurch kommt es längerfristig zu einer Verhärtung und Verklebung der bindegewebigen Hüllen um die Muskulatur, der sogenannten Faszien. Das führt längerfristig und unbehandelt zu chronischen Schmerzen.

Yin Yoga hat durch das lange Halten der einzelnen Asanas einen sehr tiefen Effekt auf die Faszien, erst lässt die Muskulatur los, dann erreichst du die Faszien. Der Nackenschmerz wird weniger. Weniger Schmerz heißt weniger Stress und das wirkt sich immer postiv auf die Migräne aus.

Kann man beweisen, dass Yoga wirkt?

In einer Studie, welche im Jahr 2014 veröffentlicht wurde, konnte gezeigt werden, dass eine regelmäßige Yogapraxis zusammen mit Medikamenten besser wirksam ist als Medikamente allein. Neben Yogahaltungen (Asanas) wurde hier auch Atemübungen (Pranayama) und Tiefenentspannung (Savasana) angewandt. Nicht nur die Häufigkeit der Migräne konnte reduziert werden, auch die Lebensqualität der Studienteilnehmer verbesserte sich. Leider ist dies nur eine sehr kleine Studie mit wenigen Teilnehmern und hat somit wenig Aussagekraft. Aber es ist ein Anfang, um nachzuweisen, dass Yoga wirkt.

Wichtig wäre es solche Studien mit größeren Teilnehmerzahlen zu wiederholen, da es in Deutschland leider meist so ist, dass von den Krankenkassen nur bezahlt wird, was nachweislich (also in Studien) gewirkt hat. Und ich halte es für absolut notwendig, dass die Krankenkassen Yoga für Migränepatienten vollumfänglich übernehmen. Yoga ist eine teure Angelegenheit (im Durchschnitt 15 € pro Yogastunde) und ich finde, dass es nicht vom Gehalt des Migränepatienten abhängig sein darf, dass er selbstwirksam etwas gegen seine Kopfschmerzen tun kann.

Meine 3 Yoga-Tipps für dich

  • Integriere eine regelmäßige Praxis!

Viel effektiver als Dauer ist Regelmäßigkeit. Übe lieber jeden Tag 15-20 Minuten als nur einmal in der Woche oder noch seltener ins Studio zu gehen und 90 Minuten zu praktizieren. Ein regelmäßiger Ablauf wirkt beruhigend auf das Gehirn. Es hat etwas, worauf es sich verlassen kann und wo es nicht in Planungsstress gerät.

  • Finde deinen Zeitpunkt!

Es gibt oft sehr strickte Empfehlungen, wann praktiziert werden soll. Der eine sagt morgens, der andere abends. Ich denke, dass es wichtig ist, dass deine Yogapraxis in deinen Tagesablauf passt. Wenn du meinst, du müsstest es unbedingt morgens machen, du aber vielleicht ein kleines Kind hast oder einfach Langschläfer bist, dann gerätst du in Stress. Stress macht wieder Migräne und zudem wirst du deine Yogapraxis ganz schnell wieder dran geben, weil es dir keinen Spaß macht. Finde also für dich heraus, wann der richtige Zeitpunkt ist und sei auch nicht ärgerlich, wenn es mal an einem Tag gar nicht geklappt hat. Morgen ist ein neuer Tag.

  • Niemals Savasana weglassen!

Grade zu Hause, wenn es keiner sieht, neigen wir dazu Savasana (die Endentspannung) wegzulassen oder sehr kurz zu halten, weil wir mit den Gedanken schon beim nächsten sind, was wir tun müssen. Aber grade ein ausgedehntes Savasana ist das A und O einer effektiven Yogapraxis. In Savasana kommt es zur Integration. Dein Körper verarbeitet die Praxis und das aufgebaute Prana (Lebensenergie) wird im ganzen Körper verteilt. Zudem wirkt sich die tiefe Entspannung in Savasana positiv auf die Migräne aus. Also plan dir genug Zeit für Savasana ein um wirklich von deiner Praxis zu profitieren.

Und jetzt wünsche ich dir eine wundervolle und vor allem Migräne-freie Zeit.

Namaste, deine Nadine

Dr. Nadine Webering lebt im Ruhrgebiet, ist Fachärztin für Neurologie, Yogalehrerin, Bloggerin und macht aktuell ein Diplom in traditioneller indischer Medizin (Ayurveda). Ihre Vision ist es mit einer Kombination aus Ayurveda, Yoga und westlicher Medizin ihre Patienten, vor allem die mit Migräne, ganzheitlich zu behandeln und den Menschen wieder zu einem Leben voller Selbstwirksamkeit und Gesundheit zu verhelfen. Nadine bietet auch ein Online-Programm für Migränepatienten und Online-Coachings an. Mehr über Nadine erfährst du auf ihrer Webseite oder bei Instagram. 

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