Werte und Yoga: Akzeptanz #1

Werte und Yoga: Akzeptanz #1 - FindeDeinYoga.org

Jeder Mensch hat bestimmte Werte, die ihm wichtig sind und nach denen er lebt. In unserer neuen Serie wollen wir euch Werte unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens durch Yogaleher vorstellen. Den Anfang macht Maria, Mitbegründerin von Finde Dein Yoga mit dem Wert: 

Akzeptanz

Das sagt Wikipedia:

Akzeptanz (von lat. „accipere“ für gutheißen, annehmen, billigen) ist eine Substantivierung des Verbes Akzeptieren, welches verstanden wird als annehmen, anerkennen, einwilligen, hinnehmen, billigen, mit jemandem oder etwas einverstanden sein.

Oft hört man von Menschen: „Das musst du einfach so akzeptieren.“ Aber akzeptieren MUSS man nichts. Denn Akzeptanz ist etwas, das jeder Mensch aktiv tun und noch viel wichtiger – freiwillig tun muss. Aktiv und freiwillig, dies sind zwei wichtige Grundlagen von Akzeptanz.

Beim Akzeptieren bin ich aktiv. Ich nehme etwas so an, wie es ist. Dazu noch einmal eine kurze Definition: „Akzeptanz beschreibt die uneingeschränkte Bereitschaft zur Hinnahme eines Sachverhaltes, einer Situation und/oder einer Person“. Im Gegensatz dazu stehen die Wörter (und Handlungen) der Toleranz und Duldung, die einen passiven Zustand beschreiben. Ich toleriere eine Situation oder einen Menschen, den ich nicht mag. Das klingt ziemlich simpel. Denn ich muss eigentlich nichts weiter machen, als mir die Situation weiter anzuschauen. Ich lasse dabei andere Überzeugungen und Handlungsweisen gewähren. Es berührt mich nicht weiter.

Mit der Akzeptanz ist es da schon schwieriger. Wenn ich etwas, das mir widerstrebt wirklich akzeptieren möchte, dann muss auch eine Auseinandersetzung mit mir selbst stattfinden. Warum habe ich gegen etwas oder gegen jemanden einen Widerstand? Ich muss aktiv werden. Ich muss für mich schauen wo bestimmte Sachen herkommen und ich muss aktiv annehmen, was mir vielleicht eigentlich widerstrebt, weil ich es mir anders wünsche.

Das heißt nicht, dass man in Situationen, die aktives Handeln erfordern nicht auch seinen Unmut äußern sollte. Ich denke zum Beispiel daran, dass auf der Straße ein älterer Mann von Halbstarken beleidigt wird. Da reicht es nicht zu akzeptieren, dass die Welt manchmal ein schwieriger Ort ist. Aber akzeptieren hilft hinterher, wenn die Halbstarken vertrieben und der Kakao mit dem älteren Mann getrunken ist. Man kann sich dann darin üben, anzunehmen, dass man nicht alles ändern kann und das nicht alles in der eigenen Macht steht.

„Yoga ist Selbst-Akzeptanz,

nicht Selbst-Verbesserung!“

Als ich mit dem Yoga angefangen habe, wurden mir meine eigenen körperlichen Grenzen ziemlich schnell bewusst. Im Hund stehend taten mir die Beine weh, beim Meditieren wollte der Geist nie so wie er sollte. Jeder kennt das. Und dann gab es zwei Möglichkeiten für mich: ich hätte meine Matte zusammenrollen und gehen können oder aber, ich konnte akzeptieren, dass ich einfach noch ganz am Anfang stehe. Ich bin beim Yoga geblieben. Ich habe meine körperlichen und geistigen Grenzen akzeptiert. Und ganz wichtig – ich habe weiter daran gearbeitet. Denn Akzeptanz ist auch etwas dynamisches. Man muss akzeptieren - hey, ja, ich komme mit meinen Händen nur bis zu den Schienbeinen. Aber ich kann diese Situation auch (ver-)ändern. In dem ich Vertrauen habe und mir Ziele setze. Meine Hände berühren jetzt vorn über gebeugt den Boden und ich habe mich weiter entwickelt. Und das ist toll zu sehen und hört nicht auf. Und klar gibt es immer noch Yogis, die viel mehr können als ich, aber hey, das ist okay so. Das ganze findet sich auch im Yoga Sutra wieder: "Die Yoga-Praxis muss drei Qualitäten aufweisen: Disziplin, Selbststudium und Akzeptanz der eigenen Grenzen."

Yoga Akzeptanz 2018

Akzeptanz beginnt bei jedem selbst. Akzeptieren, wo die eigenen Grenzen sind, welche Fehler und Schwächen wir haben und wie man halt so tickt. Akzeptieren, dass die Laune mal gut, mal schlecht ist; aber auch akzeptieren, was uns gegeben ist. Nicht was ich gerne hätte, sondern was real ist. Akzeptieren heißt auch, andere Menschen anzunehmen wie sie sind und sie ihr eigenes Leben leben zu lassen. Und auch hier kommt wieder die Dynamik ins Spiel. Wenn ich einen Menschen akzeptiere wie er ist, dann muss ich auch akzeptieren, dass er sich verändern wird und sich damit auch Beziehungen verändern werden. Jeder der Kinder hat der weiß, dass diese nicht ewig klein bleiben werden. Und so ist die Welt einem ewigem Wandel unterlegen und alles was ich tun kann ist akzeptieren. Oder sich zumindest jeden Tag darin ein bisschen zu üben. Denn es kommt so oder so, oder doch ganz anders.

Akzeptanz ist, wenn man sagen kann: „JA, so wie ich bin und so wie es ist, ist es ok!“ Dazu fordert die liebe Akzeptanz von uns Offenheit und Gelassenheit. Es ist wirklich schwer mit dem akzeptieren, denn offen und zugleich gelassen zu bleiben wenn es ans Eingemachte geht, na halleluja. Aber was wir als Belohnung bekommen ist Freiheit. Und die Akzeptanz von anderen Menschen. Und dafür lohnt es sich doch.

Kleine Yoga-Meditations-Übung zur Akzeptanz

  • Setze dich aufrecht hin und schließe die Augen.
  • Nimm ein paar tiefe Atemzüge und komme an.
  • Konzentriere dich auf deinen ruhigen und regelmäßigen Atem und dann stell dir die Frage: „Gegen wen oder was habe ich gerade einen Widerstand in meinem Leben.“
  • Sei offen für was auch immer kommt. Guck wie es sich anfühlt, wenn du deine Widerstände bewusst wahrnimmst. Welche Gefühle tauchen auf? Wo spürst du es im Körper? Und was macht es mit dir, wenn du einfach nur akzeptierst, dass du Widerstände in dir trägst?

(Diese Übung stammt vom dem tollen Meditationsprogramm Headspace. Dort gibt es eine ganze Übungsreihe zu Acceptance, die euch hiermit wärmstens ans Herz gelegt ist.)

Ich wünsche Euch allen einen wundervollen Start ins Jahr 2018 mit ganz viel Liebe und Akzeptanz für euch, eure Umwelt und Mitmenschen. Und wenn nichts mehr geht, dann nehmt von Akzeptanz einfach nur den letzten Teil und TANZt!

Maria von Finde Dein Yoga. 

Alle unsere bisher erschienen Beiträge zur Serie "Werte und Yoga" findest du hier. 

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