Werte und Yoga: Vergebung #2

Werte und Yoga: Vergebung #2 - FindeDeinYoga.org

Jeder Mensch hat bestimmte Werte, die ihm wichtig sind und nach denen er lebt. In unserer 'Yoga und Werte Serie' wollen wir euch Werte und Wertvorstellungen unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens durch Yogaleher vorstellen. Tatjana, Yogalehrerin und Physiotherapeutin aus Hessen, schreibt heute über den Wert:

Vergebung

Definition Wikipedia:

Vergebung (alternativ auch: Verzeihung) ist ein Schlüsselbegriff verschiedener Weltanschauungen, Weltreligionen und Philosophien. Er bezeichnet das Annehmen von bekundeter Reue sowie das Vergeben einer fremden Schuld. Eine besondere, offizielle bzw. juristische Art und Weise der Vergebung ist die Begnadigung (Gnadenbefugnis). Verwandte Begriffe zu Vergebung sind Entschuldigung und Versöhnung, in schwächerer Form auch Nachsicht.

Wir alle hegen von Zeit zu Zeit einen Groll gegen etwas oder jemanden. Wir fühlen uns verletzt oder enttäuscht und sind ärgerlich auf eine andere Person oder gar uns selbst. Wir sind in Unfrieden mit einer Situation und geben einem anderen oder uns selbst die Schuld daran. Der leichteste Weg, dieses unangenehme Gefühl scheinbar loszuwerden, ist Verdrängung. Wir schieben den Gedanken bei Seite, wir sprechen nicht mit der betreffenden Person und ignorieren dieses Gefühl so lange, bis es verschwunden ist. Es verschwindet allerdings nicht wirklich, sondern lauert darauf, dass es bei der nächsten passenden Gelegenheit wieder an die Oberfläche treten kann und uns deutlich spüren lässt, dass dort etwas stockt und unsere Energie blockiert bzw. sich dort eine ungesunde Energie befindet.

Unbearbeiteter Groll, Hass, Wut, Schuldzuweisung und Anklage sind wie eine Wunde, die nicht heilen kann, wenn sie nicht versorgt wird und Sauerstoff bekommt. Es manifestiert sich Verbitterung und Härte in uns, wir schädigen uns selbst und wir fügen anderen Schaden zu.

„Groll zu hegen gegen einen anderen, ist wie Gift einzunehmen und zu hoffen, dass der andere daran stirbt.“

Es dem anderen „heimzahlen“ zu wollen oder unnachgiebig zu sein, beginnt im Kleinen z. B. beim Streit um einen Parkplatz am Supermarkt und wird uns in größerem Ausmaß täglich in den Nachrichten über das Weltgeschehen vor Augen geführt.

Wenn es uns gelingt, zu vergeben, können wir eine augenscheinlich festgefahrene Situation verändern. Falls eine andere Person daran beteiligt ist, ist es nicht notwendig, dass diese Person ihrerseits vergibt. Die Entscheidung, Vergebung zuzulassen und somit eine Situation zu verändern liegt bei uns. Ist das Thema in uns geklärt, können wir es loslassen. Vielleicht ist der andere noch immer nicht unsere Person des Herzens, aber in uns wird der wunde Punkt nicht mehr getriggert.

Vergebung und damit das Loslassen von Groll, Feindseligkeit und Schuldzuweisung erfordert die Bereitschaft zu Weichheit und Nachgiebigkeit. Diese Qualitäten finden wir ganz besonders im Anahata-Chakra, dem Herzchakra wieder. Herzensgüte, Barmherzigkeit, Liebe, Mitgefühl und Verständnis entwickeln wir, wenn wir mit einem offenen und weichen Herzen bereit sind, diese Gefühle zuzulassen.

Eine Asana, die besonders den Brustraum weitet und Weichheit im Herzbereich fördert, ist Anahatasana (heart melting pose).

Yoga_Vergebung_Asana_2018

Yoga und Vergebung

Meditation für Mitgefühl:

  • Sitze aufrecht in einer für dich bequemen Position und lege beide Hände auf dein Herz. Atme weich und ruhig und nimm für eine Weile bewusst deinen Herzschlag war.
  • Lenke deine Gedanken zu all den Qualitäten, die wir dem Herzchakra zuschreiben. Spüre Liebe und Mitgefühl und lasse deinen Herzraum ganz damit ausfüllen. Bleibe in dieser Weichheit und lasse dich ganz von Liebe ausfüllen.
  • Forme nun mit deinen Händen eine Schale, die du an deinen Herzraum hältst. Stelle dir vor, wie mit jeder Ausatmung Liebe und Mitgefühl in diese Schale fließen. Dies praktizierst du so lange, bis die Schale gefüllt ist.
  • Nun kannst du mit jeder Ausatmung die Hände in einer großzügigen Geste nach vorne und außen führen, als ob du die ganze Liebe in die Welt verteilst. Vielleicht gelingt es dir, gedanklich eine Person mit einzubeziehen, der es etwas zu vergeben gilt.

Es kann nie zu viel an Herzensqualitäten in unserem Leben geben! Namasté.

Mein Name ist Tatjana. Seit 2006 bin ich auf dem Yogaweg, der mich in meinem Leben stützt und mir Freude bereitet. Ich bin Physiotherapeutin und gebe als Yogalehrerin ins Bensheim (zwischen Darmstadt und Mannheim) sehr gerne all die wunderbaren Werkzeuge, die uns im Yoga zur Verfügung stehen und unser Leben bereichern, an interessierte Menschen weiter.

Liebste Yogaposition: Utthita Balasana (Extended child‘s pose), weil ich so wunderbar bei mir ankomme.

Wenn du mehr über Tatjana und ihr Yoga erfahren willst, dann statte ihr doch einen Besuch ab - hier kommst du zu Ihrem Profil oder ihr besucht ihre Webseite.

Möchtest Du deine Gedanken zu einem Wert in unserer Gesellschaft in Zusammenhang mit Yoga vorstellen? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an mail[at]findedeinyoga.org. Wir freuen uns!

Alle bisher erschienen Beiträge zur Serie "Werte und Yoga" findest du hier.