Werte und Yoga: Andersartigkeit #6

Werte und Yoga: Andersartigkeit #6 - FindeDeinYoga.org

Jeder Mensch hat bestimmte Werte, die ihm wichtig sind und nach denen er lebt. In unserer neuen Serie wollen wir euch Werte unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens durch Yogaleher vorstellen. Heute mit Dana aus Hamburg, mit dem Wert:

Andersartigkeit

Andersartigkeit klingt irgendwie exotisch, nach über- oder unterdurchschnittlich, es riecht förmlich nach „Abweichung von der Norm“ und irgendwie hat man allein schon mit dem Klang dieses Wortes das Gefühl, unbekanntes Terrain zu betreten. Die gesellschaftliche Bedeutung dieses Begriffes ist so facettenreich wie die unendlichen Möglichkeiten Yoga zu praktizieren und zu leben.

Herbert zum Beispiel ist anders, anders als all die anderen, er ist mein Herzensmensch. Fragt man Herbert oder meinetwegen auch den Duden, ist Andersartigkeit eine Eigenschaft, sich in irgendeiner Weise oder ganz grundsätzlich von jemand anderem oder etwas anderem zu unterscheiden. Eigentlich keine Raketenwissenschaft, allerdings scheint genau eben diese Andersartigkeit so umstritten und zugleich begehrt zu sein.

Andersartigkeit versus Gleichförmigkeit

Verschiedenartigkeit ist das, wofür die Mehrheit heute gesellschaftlich steht. Für eine Welt in der wir unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, Hautfarbe oder Weltanschauung füreinander einstehen und miteinander leben. Das ist das ganz große Kino. Vielleicht die Intention der gesamten Menschheit, wenn wir uns einigen müssten. Zu mächtig und fragil für diesen kleinen Artikel.

Beschränken wir uns mal auf unseren Mini-Kosmos. Hamburg-Eppendorf. Zugegebenermaßen der Prototyp für das Streben nach Individualität (Andersartigkeit) im Einklang mit gesellschaftlichen Konventionen, aber dafür mit viel Konfetti von oben. Was dabei rauskommt?

Herbert könnte schwören, jeden morgen wenn er das Haus verlässt stehen dieselben Felljacken mit weißen Turnschuhen vor unserem Haus und trinken Kaffee. Weder Herbert noch ich haben etwas gegen weiße Turnschuhe. Aber warum merken wir nicht, dass wir unser Selbst verrenken und uns immer weiter weg von dem bewegen, was uns wirklich ausmacht?

Hier bei uns im Westen definieren wir unser Selbst oftmals stark mit unserem Körper oder unserem Aussehen. Nicht falsch, sondern greifbar. Dennoch führt diese übertriebene Identifikation auch in unserer Asana-Praxis dazu, dass wir der Form mehr Aufmerksamkeit schenken, als dem Fühlen. Es ist absurd, denn Yoga zielt nicht auf Gleichförmigkeit ab, sondern richtet sich an die Einzigartigkeit eines jeden Menschen. Das ist das Besondere, der Kern von Yoga.

Von Selbstliebe und verzerrter Wahrnehmung

Weit weg von gesellschaftlichen Normen, wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, fraglichen Moralvorstellungen ist das, was uns zu dem macht, was wir sind tief in uns – unser Selbst – und das ist so andersartig und unterschiedlich, wie es Menschen auf der Erde gibt. Niemand ist andersartiger als der andere, auch wenn uns das jeden Tag aufs Neue suggeriert wird – wir alle sind von Natur aus einzigartig! Lasst uns diese Andersartigkeit in uns erkennen, bewundern und lieben.

Erkenntnis hin oder her, wir alle haben Erwartungen, Erfahrungen, Wertvorstellungen. Menschen mit ein- und demselben moralischen Kompass sind uns oftmals emotional näher oder vertrauter. Vice versa kommen uns Abweichungen davon manchmal fremd und unbekannt vor, machen uns neugierig oder schrecken uns ab. Das wirkt sich auf unsere Wahrnehmung aus und letztlich auch auf unser Tun. Es ist als ob wir unsere Welt, Umwelt, Mitmenschen durch ein verschmutztes Fenster betrachten, weil uns das nötige Unterscheidungsvermögen fehlt sie so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wir sehen das was wir sehen wollen, als Spiegel unserer Erwartungen, Erfahrungen, Assoziationen, Wünsche. Ein Teufelskreislauf.

Auch das noch. Andersartigkeit hat also nicht nur was mit Selbstliebe zu tun, sondern auch mit der Fähigkeit, die Dinge um uns herum so zu sehen, wie sie wirklich sind.

Und schon wieder das ganz große Kino. Der einfachste Weg zur Selbstliebe und Klarheit ist das Übel an der Wurzel zu packen. Faszinierend. Es geht tatsächlich darum, Fenster zu putzen, den Geist von seinen Unreinheiten zu befreien, ein klares Sehvermögen zu entwickeln. Dieser Prozess wird Yoga genannt. Und das Schöne ist, weil Jeder von uns einzigartig ist, unterscheidet sich auch unser Weg dahin.

Akt für mehr Selbstliebe und Reflektion

 

(Picture by Mirjam Kilter, www.freesendeern.de) 

Es kann so einfach sein. Nachspüren ist essentiell für unsere Yoga-Praxis. Es bringt Dich näher zu Dir selbst, Du spürst deine innere Verbundenheit und löst Dich so von der äußeren Form.

  • Schließe nach jeder Sequenz für einen Moment die Augen, in Samasthiti (Grundstellung) oder Balasana (Kindhaltung)
  • Nimm hier ein paar Atemzüge und spüre, ob sich etwas durch die vorangegangene Praxis verändert hat, wie fühlt sich Dein Körper an und wie verhält sich Dein Geist
  • Beobachte, spüre und nimm einfach nur wahr, wertfrei, ohne zu urteilen. Vielleicht spürst Du die Schwere in deinen Beinen nach einem langen Tag, nimm einfach nur wahr und akzeptiere dieses Gefühl mit Zuneigung und Liebe
  • Vielleicht springen Deine Gedanken hin und her und Du fühlst dich aufgewühlt – nimm auch das einfach nur wahr und versuche Deine Aufmerksamkeit immer wieder liebevoll auf Deine Atmung zu lenken

Ein Mini-Akt für mehr Selbstliebe und Reflektion. Ganz automatisch wirst Du irgendwann in der Lage sein, diesen Umgang mit Dir selbst von der Yoga-Matte in deinen Alltag zu tragen. Sei nicht krampfhaft dabei, sondern mach nicht nur Deine Yoga-Praxis, sondern auch das Nachspüren zu einem täglichen Ritual.

Yoga erinnert Dana (34) jeden Tag an ihre Intuition und ist für sie ein Prozess der nicht auf ihre Yogamatte beschränkt ist. Als Vinyasa Flow Yogalehrerin geht es zwar dynamisch und kraftvoll in ihren Stunden zu, aber sie achtet darauf, genug Raum zum Nachspüren zu geben. Das Wichtigste für sie ist, ihre Schüler zu entwickeln und gleichermaßen zu beschützen. Herbert ist ein Pseudonym für ihren Lebensgefährten. Gemeinsam praktizieren sie Yoga und nehmen sich selbst dabei nicht zu ernst. Neugierig? Dann kontaktiere Dana über ihr FB-Profil, per E-Mail an D.Pukowski@web.de oder ganz einfach über Finde Dein Yoga.

Möchtest Du deine Gedanken zu einem Wert in unserer Gesellschaft in Zusammenhang mit Yoga vorstellen? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an mail[at]findedeinyoga.org. Wir freuen uns!

Alle bisher erschienen Beiträge zur Serie "Werte und Yoga" findest du hier.